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Hey, ist das Ding überhaupt AN?
~ Der Leitfaden für Eingeweihte und einen erstaunlich leisen PC ~

von Kareem Fahmi

Es ist Freitagnachmittag 17.00 Uhr. Sie schlendern aus dem Büro. Sie fühlen sich frisch und erholt nach…Moment mal! Etwas stimmt hier nicht. Niemand fühlt sich am Freitagnachmittag um 17.00 Uhr “frisch und erholt”. (Sie fühlen sich so? Na dann herzlichen Glückwunsch! Sie erlauben aber, dass der Rest von uns Sie etwas argwöhnisch betrachtet.)

Warum haben Arbeitsplätze etwas so Ermüdendes? Das hängt zum einen am Geräuschpegel. Und Lärm führt immer zu extremem Stress. Wie das Klingeln von Telefonen. Das Summen geräuschvoller Computer. Kann man sich dabei erholen? Natürlich nicht. Untersuchungen haben gezeigt, dass Lärm erhöhten Stress verursacht, die Konzentration stört und zu einem langsamen und qualvollen Tod führt.

Na gut, beim letzten Argument haben wir etwas übertrieben. Trotzdem ist Lärm unweigerlich schädlich für den Menschen. Wenn Sie mit dem PC arbeiten, dann müssen Sie wahrschweinlich mehr Lärm als nötig aushalten. Computer sind lärmende Kreaturen, und zwar dank der verwirrenden Vielfalt an Lüftern, Netzteilen und unidentifizierbaren Apparaten, die in den meisten PCs vor sich hin surren.

Zum Glück für Sie gibt es jetzt eine Alternative. Wir haben 10 Tipps zusammengestellt, mit denen Sie selbst das mürrischste Monster ruhig stellen können. Unter diesen Informationen befindet sich noch ein spezieller Geheimtipp (Nr. 11), der aber ausschließlich für erfahrene Anwender gedacht ist. Richtig, das alles sieht schon sehr nach Arbeit aus. Aber wenn Sie einmal einen wahrhaft leisen PC erlebt haben, möchten Sie die Erfahrung nicht mehr missen. (Vertrauen Sie uns einfach)

Noch ein kleiner Hinweis vorweg: In diesem Artikel befassen wir uns absichtlich nicht mit der Wasserkühlung. Zwar ist dieses Thema für einige Anwender sicherlich von Interesse, wir aber wollten Lösungen vorstellen, die für die breite Mehrheit der PC-Benutzer zugänglich sind. Vielleicht behandeln wir irgendwann einmal die Wasserkühlung in einem separaten Artikel.

1. Intelligent kühlen. Nicht extremer.

Um stabil zu laufen, muss Ihr PC ausreichend gekühlt werden. Dazu braucht man Lüfter. Viele Lüfter. CPU-Lüfter, Gehäuselüfter, Festplattenlüfter, Grafikkartenlüfter, Lüfter für alles Mögliche. Aber niemand zwingt Sie dazu, die mit Ihrem System gelieferten, geräuschvollen Lüfter zu ertragen. Für nur wenige Euro und ein paar Minuten Arbeitsaufwand können Sie selbst den lautesten Computer ruhig stellen.

Die Überholung beginnt beim CPU-Kühlsystem. Da CPUs ohne entsprechende Kühlung schmelzen würden, werden die entstehenden Temperaturen durch Kühlkörper und Lüfter niedrig gehalten. Aber da diese Lüfter recht klein sind, etwa 60 oder 70 mm, müssen sie, um eine entsprechende Luftzirkulation zu erzielen, sehr schnell drehen. Und viele von ihnen drehen mit einer konstanten Geschwindigkeit, auch dann, wenn die CPU gar nicht arbeitet und keine maximale Kühlung benötigt. All das erhöht den Geräuschpegel. Zum Glück gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten.

So können Sie zum einen Ihren CPU-Lüfter durch ein größeres Modell, einen 80, 92 oder gar 120 mm Lüfter, ersetzen. (Viele PCs bieten nicht genügend Platz für einen 120 mm Lüfter. Deshalb sollten Sie erst genau ausmessen, bevor Sie kaufen.) Um einen größeren Lüfter verwenden zu können, benötigen Sie einen Adapter für den bestehenden Kühlkörper oder gleich einen neuen, passenden Kühlkörper. Das Ergebnis? Ein langsamer – und leiserer – Lüfter.

Zum zweiten sollte Ihr neuer CPU-Lüfter über eine stufengeregelte Temperatursteuerung verfügen. Für alle technisch nicht so Begabten heißt das, der Lüfter erhöht die Drehzahl bei steigenden bzw. reduziert sie bei sinkenden Temperaturen. Und je langsamer er läuft, desto leiser ist er. Wenn Ihre CPU also gerade nicht im Einsatz ist und mit Volllast läuft, dann können Sie erholsame Ruhe genießen.

2. Wie heiß ist Ihre Grafikkarte?

Jetzt haben wir also erst einmal Ihren heulenden CPU-Lüfter zum Schweigen gebracht. Das Gleiche machen wir jetzt auch mit der Grafikkarte. Noch vor wenigen Jahren hatten die meisten von uns noch gar keine separate Grafikkarte. Aber um die mit reichhaltigen Details gespickten Spiele von heute so richtig genießen zu können, braucht es schon eine Grafikkarte mit genügend Dampf. Die Chips auf diesen Karten werden extrem heiß und benötigen deshalb, genau, einen geräuschvollen Lüfter. Oder etwa nicht? Je nach Systemkonfiguration können Sie Ihre Grafikkarte mit einem Kühlkörper anstelle des Lüfters nachrüsten. Kühlkörper sind natürlich vollkommen lautlos. Und sie kühlen Ihre Grafikkarte genau so gut wie ein geräuschvoller Lüfter. Beachten Sie aber, dass der Erfolg dieser Strategie von einer entsprechenden Luftzirkulation in Ihrem Gehäuse abhängt. Ausführliche Informationen zur Optimierung der Luftzirkulation in Ihrem Gehäuse finden Sie in unserem Artikel “Beat the Heat”.

3. Power für den Tower.

Wir kommen jetzt zum Netzteil. Sicherlich erzeugen Netzteile eine erhebliche Wärme. Aber Ihre Lüfter müssen deshalb nicht gleich lauter sein als ein Propellerflugzeug. Wenn Ihr Netzteil über einen solchen Lüfter verfügt, sollten Sie vielleicht über einen Austausch nachdenken. (Ja, es ist möglich, das Netzteil zu öffnen und den/die Lüfter auszutauschen. Allerdings möchten wir davon abraten.) Dadurch wird nur die Garantie ungültig. Und mit 110 oder 220 Volt sollte man nicht herumspielen, oder?

Die richtige Wahl, wenn auch die kostenintensivere, ist ein leiseres Netzteil mit mehr Leistung. Wenn Sie Ihr System schon öfter aufgerüstet haben, ohne das Netzteil zu wechseln, dann stoßen Sie wahrscheinlich schon bald an Ihre Grenzen. Außerdem entsteht noch mehr Wärme, die wiederum mehr Kühlung erfordert. Sie sollten sich deshalb für ein größeres Netzteil entscheiden, das für einen ultraleisen Betrieb konzipiert wurde. Achten Sie darauf, dass es über Kugellagerlüfter, eine Temperatursteuerung und einen “Fan Only”-Netzanschluss für Ihre Gehäuselüfter verfügt. Diese Funktionen bewirken eine Verminderung der Drehzahl Ihrer Gehäuse- und Netzteillüfter bei sinkender Systemtemperatur. Mittlerweile wissen Sie ja, was eine langsamere Lüftergeschwindigkeit ausmacht.

Sie müssen aber nicht unbedingt ein Netzteil der Extraklasse mit allen Funktionen haben. Ein Gerät ohne dedizierte “Fan Only”-Stromanschlüsse tut es zum Beispiel auch. Entscheiden Sie sich aber auf jeden Fall für ein hochwertiges Netzteil einer vertrauenswürdigen Marke.

4. Die Größe ist wichtig.

Jetzt haben Sie also Ihren CPU-Lüfter gewechselt, den Grafikkartenlüfter durch einen Kühlkörper ersetzt und sich ein leistungsstarkes Netzteil zugelegt. Trotzdem ist Ihr PC noch nicht so flüsterleise, wie Sie es gerne hätten. Keine Angst. Es gibt noch viele andere Ansatzpunkte. Wie zum Beispiel Ihre Gehäuselüfter. Viele Gehäuse verwenden für die Luftzirkulation zwei kleine Hochgeschwindigkeitslüfter. Leider bedeutet das auch massig Lärm. Um das Ganze etwas leiser zu gestalten, ersetzen Sie die zwei kleinen mit einem großen Niedergeschwindigkeitslüfter. Und vergewissern Sie sich, dass der neue Lüfter seine Drehzahl an die jeweilige Systemtemperatur anpasst. Ihre Ohren werden es Ihnen danken.

5. "Gehen Sie unter Warp, Mr. LaForge."

Immer noch da? Die Hälfte haben wir geschafft. Wir wir gesehen haben, entsteht Lärm durch Geschwindigkeit. Und eine Ihrer wichtigsten Komponenten, Ihre Festplatte, erreicht regelmäßig Geschwindigkeiten, auf die selbst Captain Kirk neidisch wäre. Während ältere Laufwerke noch mit 5.000 oder 7.000 U/Min arbeiten, drehen die neueren Modell schon mit bis zu 15.000 U/Min und mehr. Für Geschwindigkeitsliebhaber mag das ja in Ordnung sein, aber nicht für all diejenigen, die einen leisen PC möchten. Einfach gesagt, wenn Sie eine laute Festplatte haben, kaufen Sie sich eine leisere. Normalerweise geben wir in unseren Artikeln keine Empfehlungen, aber es gibt eine Festplatte, die deutlich leiser ist als die anderer Anbieter. Das ist die Seagate Barracuda. Sie ist zwar nicht billig, aber der Unterschied ist immens.

6. Wer hat gesagt, Silikonimplanate sind out?

Für unseren vorhergehenden Tipp müssen Sie zugegebenermaßen recht tief ins Portemonnaie greifen. Jetzt aber kommt einer, der Sie gerade mal so viel kostet wie ein Pfund Kaffee. Installieren Sie Silikondichtungen und -unterlegscheiben in Ihrem Computer. Gehäuselüfter, Festplatteneinschübe und Netzteile übertragen Geräuschvibrationen direkt ans Computergehäuse. Einige wenige dieser kleinen Helfer können für den Geräuschpegel (oder die Nichtexistenz desselben) Ihres PCs Wunder vollbringen.

7. Jeder mag Kurven.

Wenn Sie schon mal im Inneren Ihres Rechners herumwerkeln, ersetzen Sie auch gleich Ihre sperrigen Flachbankabel durch runde Kabel. Diese Flachbandkabel sehen nicht nur unschön aus, sie behindern auch die Luftzirkulation im Gehäuse. Mit runden Kabel dagegen kann die Luft im System viel freier fließen. Das bedeutet niedrigere Temperaturen und noch langsamere Lüfter. Plus, diese Kabel sehen einfach cool aus.

8. Schwamm drunter.

Ob Sie's glauben oder nicht, der nächste Tipp kostet Sie keinen Cent. (OK, vielleicht ein paar, das ist aber dann auch alles.) Legen Sie einen dünnen Schwamm unter Ihr Gehäuse. Der Schwamm dämpft die von Ihrem Gehäuse übertragenen Geräuschvibrationen ab. Und damit, wie schon eine bekannte TV-Persönlichkeit sagte, "werden Sie geholfen".

9. Ein wenig Polsterung, wenn man sie am nötigsten braucht.

Puhh! Wir haben es fast geschafft. Und weil wir schon beim Schaumstoffpolster sind, hier noch ein weiterer cleverer Trick: bringen Sie Dämmmatten in Ihrem Gehäuse an. (Die sollten natürlich keine Lüfter überdecken.) Die Dämmung sollte einen Großteil der verbleibenden Geräusche von Ihrem Gehäuse schlucken. Beachten Sie aber, dass dadurch mit großer Wahrscheinlichkeit die Gehäusetemperaturen steigen. Also beobachten Sie Ihre Temperaturanzeige und entfernen Sie ggf. die Dämmung, wenn Ihr System überhitzt.

10. Brandneu

Mittlerweile fragen Sie sich vielleicht, woher Sie die Zeit für all diese Upgrades nehmen sollen. Andere denken viellecht: “Meinen Grafikkartenlüfter ausbauen? Sind die verrückt?” Wir verstehen das. (Manchmal stellen wir uns dieselbe Frage.) Wenn Sie also nach dem schnellsten Weg zu einem extrem leisen PC suchen, sollten Sie die Anschaffung eines ultraleisen Gehäuses in Erwägung ziehen. Entscheiden Sie sich für eins, das für einen flüsterleisen Betrieb konzipiert ist und bauen Sie Ihre Komponenten in Ihr nagelneues Gehäuse ein. Sie werden überrascht sein.

Damit hätten wir es also. Unser schmerzloser, idiotensicherer und erfrischender Leitfaden für einen leisen PC. Bevor wir aber zum Ende kommen, präsentieren wir in aller Bescheidenheit unseren supergeheimen Sondertipp für einen leisen PC, nur für erfahrene Anwender gedacht. (Wenn Sie kein erfahrener Anwender sind, hören Sie hier bitte auf zu lesen. Nehmen Sie ganz langsam die Hände von der Maus und es wird keinem etwas geschehen.)

11. Schalten Sie Ihren $!@%#-Computer aus und gehen Sie mal an die frische Luft.

Seien wir mal ehrlich. Der einzig sichere Weg zu einem wahrhaft leisen PC ist, ihn abzuschalten. Ernsthaft. Ab und an sollten Sie Ihren Rechner abschalten. Stehen Sie auf. Gehen Sie nach draußen. Fühlen Sie die Sonne auf Ihrer Haut und den Wind im Gesicht. Und freuen Sie sich Ihres Lebens. Denn das ist es doch, worauf es ankommt, oder?